Archigraphus - 'Königsbrücken' | Aachen

'Königsbrücken' | Aachen
Licht- und Raumkonzept für das Ensemble von drei innerstädtischen Eisenbahnbrücken

Schon ihr Name lässt erahnen, dass der Königstraße ursprünglich eine hohe Bedeutung zukam. Sie gehörte im Mittelalter zum europäischen Fernstraßensystem der VIAE REGIAE, die unter königlichem Schutz standen. Ab dem 17. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Straße jedoch dramatisch ab – Austausch und Handel von Aachen mit den niederländischen Regionen kamen zum Erliegen. Die obere Königstraße wurde zur Sackgasse, das Stadttor vermauert. Das gesamte Areal wurde über Jahrhunderte von Wiesen- und Gartenland geprägt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Bereich der oberen Königstraße Bahnanlagen gebaut, „gekrönt“ vom beeindruckenden Ensemble der drei Eisenbahnbrücken, die 1910 fertiggestellt wurden.

Heute führt die Königstraße von der Innenstadt und der Kernzelle der 1870 gegründeten Aachener Hochschule RWTH zu den beiden Universitätspolen Klinikum und Campus Melaten. Die Straße und die drei Eisenbahnbrücken stehen exemplarisch für das Auf und Nieder der stadträumlichen Entwicklung von Aachen – der westlichsten Großstadt Deutschlands – im Wechselspiel offener und geschlossener Grenzen.

Das umgesetzte Raumkonzept spielt mit derlei Assoziationen im monumentalen Kontext der Brücken: Atmosphärische Lichtakzente setzen die Brückenbauwerke in Szene. Aus der „Lichtfuge“ der stählernen Zwillingsbrücke werden „Lichtpunkte“ auf den Bürgersteig geworfen. Schriftinterventionen auf den Bürgersteigen heben die Eisenbahnverbindungen und zwei verschwundene Stadttore ins städtische Bewusstsein. Ein großflächiger, graphisch verfremdeter Stadtplan aus dem 16. Jahrhundert wird unter Schwarzlicht zum „selbstleuchtenden Tattoo“.

Interessierte Spaziergänger können die so nacherzählte Geschichte der Straße, des Viertels und des Brückenensembles auf einer stadtmorphologischen Infotafel nachvollziehen – sie hält historische Stadtpläne, Fotos und eine Zusammenfassung bereit.

Auszeichnung im Wettbewerb zur Illumination von Bahnunterführungen sowie Förderung durch die
> “Stiftung Lebendige Stadt”.

Gutachten | Wettbewerb 2011     Ausführung 2012 | 2014     Foto archigraphus | Astrid Webers